Strick verstehen: Merino, Lambswool und Kaschmir im Vergleich

Strick verstehen: Merino, Lambswool und Kaschmir im Vergleich

Beim Strick entscheidet die Faser über fast alles: wie warm der Pullover ist, wie lange er die Form hält, ob er nach drei Wäschen knotet. Die Etiketten nennen meist nur den Namen der Faser – und der allein sagt weniger aus, als man denkt.

Merinowolle

Die vielseitigste Wolle und für die meisten der beste Kompromiss. Die Faser ist deutlich feiner als gewöhnliche Schafwolle und kratzt daher nicht – gemessen wird das in Mikron, wobei Werte unter 19,5 als fein gelten und direkt auf der Haut angenehm sind.

Merino regelt Temperatur in beide Richtungen, bleibt lange geruchsneutral und ist relativ robust. Für einen Pullover, der oft getragen wird, ist es die verlässlichste Wahl.

Lambswool

Wolle aus der ersten Schur eines Lammes, meist im Alter von etwa sieben Monaten. Sie ist weicher und elastischer als Wolle späterer Schuren, aber nicht automatisch feiner als Merino – Lambswool bezeichnet das Alter des Tieres, Merino die Rasse. Beide Angaben können gleichzeitig zutreffen.

Lambswool ist typischerweise etwas voluminöser und wärmer im Griff, dafür weniger fein als hochwertige Merino. Gut für klassische, etwas kräftigere Strickteile.

Kaschmir – und warum der Preis so schwankt

Kaschmir stammt vom Unterfell der Kaschmirziege. Ein Tier liefert pro Jahr nur rund 150 bis 200 Gramm verwertbare Faser, weshalb für einen Pullover mehrere Tiere nötig sind. Das erklärt den Preis – und warum ein sehr günstiger Kaschmirpullover misstrauisch machen sollte.

Der Unterschied liegt in der Faserlänge. Lange Fasern, ab etwa 36 Millimetern, lassen sich fester verspinnen und bleiben im Garn verankert. Kurze Fasern rutschen heraus, sobald der Stoff Reibung ausgesetzt ist – und genau das ist Pilling. Ein billiger Kaschmirpullover ist meist nicht gefälscht, sondern aus kurzen Fasern gemacht. Er fühlt sich im Laden wunderbar an und knotet nach dem dritten Tragen.

Zweiter Faktor ist die Anzahl der Fadenlagen. Zweifädig, oft als 2-ply bezeichnet, ist stabiler und formbeständiger als einfädig. Bei Kaschmir lohnt es sich, danach zu fragen.

Pilling schon im Laden erkennen

Reiben Sie mit dem Daumen zehn bis fünfzehn Mal kräftig über eine unauffällige Stelle, etwa die Innenseite des Saums. Bilden sich sofort kleine Flusen oder lösen sich Faserenden, wird der Pullover pillen. Bleibt die Oberfläche glatt, sind die Fasern gut verankert.

Zweiter Test: Halten Sie den Strick gegen das Licht. Sehr ungleichmäßige Maschen und durchscheinende Stellen deuten auf lose Verarbeitung hin.

Waschen: einfacher als der Ruf

Die verbreitete Angst vor dem Waschen führt dazu, dass Pullover zu selten gewaschen und stattdessen chemisch gereinigt werden – was den Fasern mehr schadet. So geht es richtig:

  1. Handwäsche oder Wollprogramm bei maximal 30 Grad, Schleudern auf 400 Umdrehungen oder aus.
  2. Wollwaschmittel verwenden, kein Vollwaschmittel. Auf keinen Fall Weichspüler – er legt sich um die Faser und nimmt ihr die Spannkraft.
  3. Nicht auswringen. Wasser herausdrücken, dann in ein Handtuch einrollen und andrücken.
  4. Liegend trocknen, nie auf dem Bügel. Ein nasser Pullover am Bügel zieht sich unter dem eigenen Gewicht in die Länge und kommt nicht zurück.

Zwischen den Wäschen reicht Lüften. Wolle gibt Geruch von allein wieder ab – eine Nacht auf dem Bügel am offenen Fenster ersetzt oft eine Wäsche.

Knoten entfernen und Formhaltung

Flusen mit einem Kaschmirkamm oder einem Fusselrasierer vorsichtig abnehmen, immer in eine Richtung. Kein Rasierer für den Bart und kein Klebeband – beides zieht ganze Maschen mit.

Gelagert wird Strick gefaltet, nicht hängend. Und wenn ein Pullover an den Ellenbogen ausgebeult ist: waschen und liegend in Form ziehen. Wolle hat ein Gedächtnis und nimmt die ursprüngliche Form häufig wieder an.

Was auf dem Etikett fehlt

Faserlänge und Fadenlagen stehen fast nie darauf, obwohl sie über die Qualität mehr aussagen als der Fasername. Gewicht in Gramm ist ein nützlicher Ersatzindikator: Ein Kaschmirpullover unter 250 Gramm ist dünn verarbeitet, 350 Gramm und mehr deuten auf substanzielleres Garn hin.

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